17. MV vom 1. April 2026
Gemeinsam den Verein weiterentwickeln: Das forum 60 plus blickt nach vorn
Von Isabel Tokic 02.04.2026, 17.40 Uhr
An der 17. Mitgliederversammlung zeigt sich: Der Bedarf an Betreuung im Alter wächst – und damit auch der Druck auf freiwilliges Engagement. Präsidentin Martina Tiozzo betont, wie wichtig die Beteiligung der Mitglieder für die Zukunft bleibt.
Darum geht es
- Am 1. April fand die 17. Mitgliederversammlung des forum 60 plus in Windisch statt.
- Ein Referat zeigte: Die steigende Zahl älterer Menschen erhöht den Bedarf an Betreuung, während weniger Ehrenamtliche verfügbar sind.
- Präsidentin Martina Tiozzo blickte auf ein aktives Vereinsjahr mit über 150 Anlässen zurück und rief zu mehr Engagement auf.
- Mehrere langjährige Mitglieder wurden verabschiedet und geehrt.
- Für 2026 ist ein vielfältiges Programm mit Vorträgen, Ausflügen und Veranstaltungen geplant.
Am 1. April fand die 17. Mitgliederversammlung des forum 60 plus Region Windisch statt. 122 Stimmberechtigte – von insgesamt 594 Mitgliedern – versammelten sich im reformierten Kirchgemeindehaus in Windisch. Nach einem einleitenden Referat zum Thema «Engagement von älteren für ältere Menschen» eröffnete Vereinspräsidentin Martina Tiozzo die Versammlung.
«Wer ist ehrenamtlich oder freiwillig tätig? Bitte erheben Sie sich», lautete die Einstiegsfrage von Andreas Pfeuffer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz. Zahlreiche Anwesende kamen der Aufforderung nach und wurden mit Applaus gewürdigt. Pfeuffer ging es darum, auch jene sichtbar zu machen, die sonst oft im Hintergrund bleiben.
Im Anschluss führte Rahel Strohmeier, Dozentin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften für Soziale Arbeit, das Referat weiter und zeigte auf, wie sich die Betreuung im Alter künftig verändern dürfte. Die sogenannte doppelte Alterung führt dazu, dass nicht nur die Zahl älterer Menschen insgesamt steigt, sondern auch der Anteil jener zunimmt, die im hohen Alter auf Unterstützung angewiesen sind. Zugleich wirken sich gesellschaftliche Veränderungen aus: Frauen sind heute besser ausgebildet und selbstbestimmter, was sich unter anderem in tieferen Geburtenraten widerspiegelt – viele haben weniger oder keine Kinder.
Mangel an Ehrenamtlichen ist allbekannt
Insgesamt wächst damit der Bedarf an Betreuung durch externe Angebote, die oft mit hohen Kosten verbunden sind. Hier kann die Freiwilligenarbeit eine wichtige Rolle übernehmen. Auch wenn das ehrenamtliche Engagement in der Schweiz mit über 100'000 Vereinen stark ausgeprägt ist, ist häufig von einer «Krise des Vereinslebens» die Rede. Angesichts sich wandelnder Lebensentwürfe und vielfältigerer Gestaltungsmöglichkeiten tritt freiwilliges Engagement zunehmend in den Hintergrund. Damit stellt sich die zentrale Frage: Was braucht es, damit Ehrenamtliche bleiben?
Genau vor dieser Frage steht auch das forum 60 plus. Nach einer kurzen Verschnaufpause richtete sich der Blick auf den eigentlichen Kern der Veranstaltung: Wie steht es um das eigene Vereinsleben? Präsidentin Martina Tiozzo blickte in ihrem Jahresbericht auf ein erfolgreiches Jahr 2025 mit über 150 Anlässen zurück – und erntete dafür grossen Applaus im Saal. Mit Blick in die Zukunft betonte sie: «Weitere Engagierte sind willkommen.»
Abschied von langjährigen Mitgestaltern des Vereins
Mit der Verkleinerung des Vorstands von sechs auf drei Personen steht der Verein vor einer neuen Herausforderung. Mit Blumen und persönlichen Geschenken wurden Rosemary Feuermann, ehemalige Vereinspräsidentin, Heidi Wasem, langjährige Eventmanagerin, und Matthias Weinhold, der während sechs Jahren als Webmaster tätig war, aus dem Vorstand verabschiedet. Auch Elisabeth Salchli legt ihr langjähriges Amt im Fahrdienst nieder und wurde vom Verein mit Dank und einem Präsent gewürdigt.
Peter W. Frey bleibt vorerst im Amt – doch der Abschied zeichnet sich ab. Der Organisator der Vortragsreihen von forum 60 plus und Sanavita hat auch für dieses Jahr ein inhaltlich vielfältiges Programm zusammengestellt. Von den insgesamt zehn Vorträgen widmen sich sieben medizinischen oder sozialen Themen, während die übrigen drei regionale oder historische Inhalte aufgreifen.
2026 steht ein vielfältiges Programm an
Im August wird eine Urologin referieren, im September spricht der ehemalige SRF-Korrespondent Peter Gysin zu einem gesellschaftlichen Thema. Ab Januar 2027 soll die Programmgestaltung in neue Hände übergehen. Frey, der über Jahre hinweg viel Zeit in Recherche, Planung und Organisation investiert hat, will seine Nachfolge weiterhin tatkräftig unterstützen.
Auch die Events in diesem Jahr stehen schon fest. Heidi Wasem lässt ihrer Kreativität ein letztes Mal freien Lauf, bevor sie ihr Amt als Eventmanagerin weitergibt – künftig wird jemand Neues «Themen, die ins Alter passen» gestalten. Auf dem Programm des forum 60 plus stehen unter anderem Wanderungen, Vereinsreisen sowie Besuche bei einem Falkner und beim Erzählkünstler Jürg Steigmeier.
Zahlen scheinen nicht besonders beliebt zu sein
Über die finanzielle Lage informierte Kassier und Vorstandsmitglied Ruedi Aeschlimann. «Ihr könnt es kaum erwarten, etwas über Zahlen und Grafiken zu hören», scherzte er und sorgte damit für einige Lacher im Saal. Das Fazit fällt erfreulich aus: Der Verein schliesst besser ab als budgetiert. Sowohl die Jahresrechnung als auch sämtliche Wahlen wurden einstimmig genehmigt.
Dass die Anwesenden das stark von Zahlen und Statistiken geprägte Referat für den einmal jährlich stattfindenden Anlass als unpassend empfanden, zeigte die «Chropfleerete» von Monika Merki Frey. Das Referat gehe am Ziel vorbei, so Merki. Der Anlass solle ein freudiges Zusammenkommen sein. Die Diskussion stiess bei Präsidentin Martina Tiozzo jedoch auf Zustimmung. Der Vorstand wolle genau solche Gespräche anregen und die Themen im anstehenden «Kaffee-Talk» im Stadtkiosk weiter vertiefen, entgegnete sie der Kritik. Solche Rückmeldungen seien wichtig, damit der Verein gemeinsam gestaltet werden könne.
Der Seniorenverein forum 60 plus steuert auf sein 20-Jahr-Jubiläum im 2030 zu und verfolgt für die Zukunft ambitionierte Ziele – darunter die Idee, gemeinsam mit dem Seniorenrat Brugg ein eigenes Lokal zu realisieren. Die Versammlung machte deutlich: Der Wille zur Weiterentwicklung ist vorhanden.
Quelle: Aargauer Zeitung, 2. April 2026